Einblicke zum Valentinstag: Standesamt Stuttgart seit 66 Jahren in der Eberhardstraße 6 – neues Ticketsystem seit 2024

Seitdem hat sich in der Arbeit des Standesamts vieles geändert, wie auch die Stuttgarterinnen und Stuttgarter flexibler und internationaler geworden sind. Damals wie heute gilt: nicht nur am Valentinstag gibt es viel zu tun. Zugleich lässt sich mit Blick auf die Geschichte des Standesamts der gesellschaftliche Wandel nachvollziehen.

Als das Standesamt Stuttgart 1958 seine neuen Räumlichkeiten bezog, war das Personenstandsrecht traditioneller ausgestaltet als heute. So wurde bei Eheschließungen der Familienname des Ehemanns gemeinsamer Name der Ehegatten. Im Juli 1958 wurde diese Regelung leicht aufgeweicht, Frauen konnten ihren „Mädchennamen“ nun dem Ehenamen hinzuzufügen. Ab den 1970er-Jahren konnte auch der Geburtsname der Frau zum Ehenamen bestimmt werden. Seit 1991 ist die getrennte Namensführung zulässig. Momentan sind weitere Änderungen im Namensrecht geplant, um mit dem gesellschaftlichen Wandel in Familien mitzuhalten; auch im Hinblick auf ausländische Rechtsordnungen, die eine freiere Namensführung ermöglichen als das deutsche Recht derzeit.

Ein Wandel vollzog sich ebenfalls beim Thema Gleichstellung von Paaren selben Geschlechts: Ab dem Jahr 2001 konnten gleichgeschlechtliche Paare ihre Lebenspartnerschaft registrieren lassen. Auch wenn die Ehe für Alle erst 2017 eingeführt wurde, gestaltete das Standesamt Stuttgart die Zeremonie zur Eintragung der Lebenspartnerschaft von Anfang an genauso festlich wie die Eheschließung verschieden geschlechtlicher Paare.

Während die standesamtliche Trauung 1958 eher noch als Pflichttermin vor der kirchlichen Trauung galt, führte die Säkularisierung der Gesellschaft – die sich im Standesamt auch an der Anzahl der Kirchenaustritte bemerkbar macht – dazu, dass sie heute oft das eigentliche Fest ist. Deswegen haben Standesämter in Stuttgart im Jahr 2000 damit begonnen, Wunschtrauorte anzubieten. Heute werden insgesamt rund 50 verschiedene Trau-Locations angeboten, vom Haus Le Corbusier über den Marmorsaal im Weißenburgpark bis zum Schloss Solitude, vom Fernsehturm in Degerloch bis zur Wilhelma in Bad Cannstatt. Die Übersicht befindet sich auf  https://www.stuttgart.de/buergerinnen-und-buerger/heiraten/wunschtrauorte.php (Öffnet in einem neuen Tab), mit wenigen Ausnahmen ist auch die Buchung unter  https://traukalender.stuttgart.de/ (Öffnet in einem neuen Tab) von zuhause aus möglich.

Ebenfalls verändert hat sich die Art, wie das Standesamt seine Dienstleistungen anbietet. Viele Angebote sind digital: Terminvereinbarungen, Urkundenbestellungen oder die Reservierung des Wunschtrauortes können online erledigt werden. Zusätzlich müssen Eltern die Geburt ihres Kindes nicht mehr persönlich anzeigen; die nötigen Unterlagen werden von den Krankenhäusern direkt an das Standesamt übermittelt. Die Standesämter Stuttgarts bauen derzeit die Online-Dienstleistungen weiter aus, so etwa die Online-Anmeldung der Eheschließung. Ganz aktuell hat das Standesamt Stuttgart mit Beginn des Jahres 2024 zudem ein Ticketsystem eingeführt, um Kontakte zwischen Bürgerinnen, Bürgern und Standesamt effektiver zu gestalten.

Seit Einführung der elektronischen Personenstandsregister 2009 werden Daten digital gespeichert und bei Bedarf ausgedruckt. Da für die Registereinträge lange Aufbewahrungsfristen von bis zu 110 Jahren gelten, befinden sich noch viele Aktenschränke in den Räumlichkeiten der Standesämter. Die so genannte „Nacherfassung“ wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Doch nicht nur eine zuverlässige rechtliche Betreuung der Einwohnerinnen und Einwohner Stuttgarts ist Anliegen des Standesamts. Auch der persönliche Kontakt auf Augenhöhe liegt den Mitarbeitenden des Standesamts Stuttgart am Herzen. Sie haben sich im September 2023 mit den Belangen gehörbeeinträchtigter Personen beschäftigt und in der Paulinenpflege Winnenden Einblick in das Fingeralphabet sowie die wichtigsten Handgesten der deutschen Gebärdensprache erhalten. Das Gebäude Eberhardstraße 6 soll in Zukunft vollends barrierefrei und auch taktil, also blindengerecht, zugänglich sein.

Quelle: Stadt Stuttgart