Stadt Stuttgart ordnet Schulbegleitung neu – Versorgung wird schrittweise sichergestellt

Die Landeshauptstadt Stuttgart ordnet die Schulbegleitung nach der Beendigung des Vertragsverhältnisses mit dem Arbeiter- Samariter-Bund e.V. Region Stuttgart (ASB) neu. In der Übergangsphase kommt es zu Einschränkungen für betroffene Kinder und Familien. Die Stadt arbeitet mit Hochdruck daran, die Versorgung vollständig wiederherzustellen.

Die Bürgermeisterin für Jugend und Bildung, Isabel Fezer, betont: „Die Trennung vom ASB war zwangsläufig. Sie ist auch aus heutiger Sicht richtig. Über den Zeitpunkt und die Umstände sind auch wir unglücklich. Wichtig: Die ersten Unregelmäßigkeiten wurden im Sommer 2025 bemerkt. Daraufhin folgten intensive Einzelfallprüfungen in den darauffolgenden Monaten. Der Entschluss steht damit in keinem Zusammenhang mit den Beschlüssen zum Doppelhaushalt. Der individuelle Anspruch auf Schulassistenz besteht fort.“ Und weiter: „Als Landeshauptstadt legen wir größten Wert auf eine zuverlässige und qualitativ angemessene Betreuung. Entscheidend in der Schulbegleitung ist nicht nur die fachliche Expertise und die menschliche Zuwendung der Betreuerinnen und Betreuer, sondern auch die Verlässlichkeit der Organisation dahinter“, so Fezer.

Hintergrund der Entscheidung waren laut Fezer seit längerem bestehende Hinweise auf Unstimmigkeiten im Abrechnungsprozess. „Nach reiflicher Überlegung und unter Einbeziehung mehrerer Ämter sind wir schweren Herzens zu dem Schluss gekommen, das Vertragsverhältnis zu beenden – rechtlich sauber und mit dem Ziel, die Auswirkungen für die betroffenen Kinder und Familien möglichst gering zu halten. Das ist uns leider nicht in dem Maße gelungen, wie wir es uns gewünscht hätten“, so Fezer weiter.

Die Stadt habe sich über Monate um eine Klärung bemüht und versucht, eine ausreichende Vorlaufzeit für einen Trägerwechsel sicherzustellen. „In der Abstimmung zwischen den Fachbereichen sind uns Fehler unterlaufen. Diese haben dazu geführt, dass das Vertragsende uns unter erheblichen Zugzwang gestellt hat, kurzfristig Ersatz zu organisieren“, räumt Fezer ein.

Aktuell konnte für rund 65 Schülerinnen und Schüler (das entspricht etwa 40 Prozent) bereits eine neue Begleitung organisiert werden. Weitere Lösungen werden vorbereitet. „Wir haben positive Signale anderer Träger erhalten, die Unterstützung anbieten. Zudem prüfen wir kurzfristige Modelle, etwa unter dem Motto ,Schüler helfen Schülern‘, auch mit Auszubildenden aus beruflichen Schulen. Unser Ziel ist es, spätestens zum Schulbeginn nach den Faschingsferien wieder den Zustand vor der Vertragsbeendigung zu erreichen“, so Fezer.

Verantwortung für Rechtssicherheit und faire Rahmenbedingungen

Die Bürgermeisterin für Soziales, Gesundheit und Integration, Dr. Alexandra Sußmann, unterstreicht den grundsätzlichen Anspruch der Stadt: „Die Stadt Stuttgart steht zu starken sozialen Partnern. Gleichzeitig tragen wir Verantwortung für Rechtssicherheit, Qualität und faire Rahmenbedingungen für alle Träger. Beides zusammenzuführen ist unser Anspruch.“ Die Verwaltung habe umgehend ein Krisenmanagement etabliert. „Uns ist bewusst, dass der aktuelle Ausfall von Assistenzkräften für die betroffenen Kinder, ihre Eltern und die Schulen eine erhebliche Herausforderung darstellt. Besonders schmerzlich ist, dass Kinder zeitweise vom Schulbesuch ausgeschlossen werden. Wir nehmen diese Belastung sehr ernst und setzen alles daran, schnellstmöglich tragfähige Lösungen zu finden. Für die notwendige Übergangszeit bitten wir um Verständnis. Das Krisenmanagement greift, und die ersten Schülerinnen und Schüler können bereits wieder die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren besuchen“, so Sußmann.

Gleichzeitig richtet die Stadt den Blick nach vorn. Sußmann betont: „Wir haben aus den Fehlern gelernt und Strukturen in der internen Kommunikation verbessert, um vergleichbare Situationen künftig zu vermeiden. In einem komplexen System lassen sich kurzfristige Zumutungen nicht immer ausschließen. Dennoch sehe ich mit großem Respekt den Einsatz der Mitarbeitenden, die mit hohem Engagement zum Wohl der Menschen in Stuttgart arbeiten.“ 

Die Stadtverwaltung wird den Schulbeirat am Dienstag über den aktuellen Stand informieren.

Hintergrund: Schulbegleitung

Die Schulbegleitung ist eine Leistung der Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche mit körperlichen, geistigen oder seelischen Beeinträchtigungen. Sie ermöglicht den betroffenen Schülerinnen und Schülern die Teilhabe am schulischen Alltag und den Besuch der allgemeinen Schule oder eines Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums (SBBZ). Schulbegleiterinnen und Schulbegleiter unterstützen individuell, etwa bei der Orientierung im Schulalltag, der Strukturierung von Aufgaben, der Kommunikation oder bei pflegerischen und organisatorischen Tätigkeiten. Sie ersetzen dabei nicht den Unterricht, sondern ergänzen ihn und arbeiten eng mit Schule, Eltern und weiteren Fachstellen zusammen. Voraussetzung für eine wirksame Schulbegleitung sind neben fachlicher Qualifikation und persönlicher Eignung insbesondere verlässliche Einsatzplanung, Kontinuität und eine stabile organisatorische Anbindung des Trägers.

Quelle: Stadt Stuttgart