
Die monumentale, mehr als acht Meter hohe Stahlskulptur „Lobotchevsky“ (1987/88) gehört zu den bedeutenden Großplastiken in Stuttgart. Die Geschichte des Werks ist eng mit einer Phase verknüpft, in der die Stadt Kunst im Außenraum gezielt als Teil urbaner Entwicklung und öffentlicher Kultur förderte. Die Plastik war 1988 im Rahmen einer großen Mark di Suvero-Ausstellung des Württembergischen Kunstvereins im Oberen Schlossgarten erstmals in Stuttgart zu erleben.
„Mit der Restaurierung sichern wir ein Schlüsselwerk der Kunst im öffentlichen Raum und erhalten einen prägenden Ort künstlerischer Identität sowie ein lebendiges Zeichen für Kunst und Kultur im Stuttgarter Stadtraum“, sagt Marc Gegenfurtner, Leiter des Stuttgarter Kulturamts.
Aus der zunächst temporären Präsentation entwickelte sich die dauerhafte Aufstellung: Ende der 1980er-Jahre wurde im Zuge des damaligen Neubaus des Kommunikationszentrums am Rotebühlplatz ein Wettbewerb für eine Außenplastik ausgelobt. Die Entscheidung fiel auf „Lobotchevsky“ und die Stadt erwarb das Werk. 1991 wurde die Plastik am heutigen Standort vor dem Treffpunkt Rotebühlplatz aufgebaut und prägt seither das Entrée und die Bewegungsachsen an einem der stärksten frequentierten Orte der Stuttgarter Innenstadt.
Mit ihren kraftvollen, abstrakt-konstruktiven Stahlformen steht „Lobotchevsky“ exemplarisch für di Suveros Arbeit: Der US-amerikanische Bildhauer gilt als eine zentrale internationale Position der abstrakten, monumentalen Skulptur seit den 1960er-Jahren. Seine Großplastiken verbinden industrielle Materialien mit Dynamik, Balance und räumlicher Spannung – und fordern Betrachterinnen und Betrachter dazu auf, das Werk in ihrer Bewegung zu „lesen“. Der Titel bezieht sich auf den russischen Mathematiker Nicolai Ivanovich Lobotchevsky (1793−1856). Von dessen Arbeiten angeregt, assoziierte Mark di Suvero eine dreidimensionale Skulptur, deren Bewegungsrichtungen an mathematische Schaubilder erinnern.
In Stuttgart ist daraus über die Jahrzehnte ein vertrautes, identitätsstiftendes Stadtzeichen geworden, ganz im Sinne Mark di Suveros: „Wenn man Künstler ist, möchte man Kunst schaffen, die für viele Menschen von Bedeutung ist. Die meiste Kunst wird in Museen und Galerien gezeigt, wodurch jedoch ein großer Teil der Bevölkerung ausgeschlossen wird. Wenn man sie jedoch auf die Straße bringt, öffnet man sie für die ganze Welt. Ich bin äußerst dankbar für die engagierte Betreuung und Aufmerksamkeit, die die Stadt Stuttgart meiner Plastik „Lobotchevsky“ entgegenbringt. Es ist wunderbar, dass eine vollständige Restaurierung mit Neulackierung geplant ist, um mein Werk wieder in seinen leuchtend roten Zustand zurückzuversetzen. Dafür gilt dem Kulturamt mein tiefster Dank.“
Über die Jahre haben Witterung und Umwelteinflüsse die Oberfläche und die Substanz des Kunstwerks sichtbar beansprucht: Das ehemals leuchtende Rot ist verblasst, der Lack platzt ab, an mehreren Stellen ist die Korrosion fortgeschritten. Die anstehende Restaurierung behandelt diese Schäden und stellt die Plastik zugleich für die Zukunft besser auf: Das Kunstwerk erhält Korrosionsschutz, eine neue Beschichtung nach aktuellen Standards und Graffitischutz. Farbton und Ausführung erfolgen in Abstimmung mit dem Studio des Künstlers Spacetime C.C. durch die Firma Haber & Brandner GmbH. Die Restaurierung wird mit Haushaltsmitteln aus dem Jahr 2025 finanziert.
Der Abbau am Rotebühlplatz wird auch logistisch ein besonderes Ereignis: „Lobotchevsky“ ist 8,7 Meter hoch und wiegt zirka fünf Tonnen. Für die Demontage kommen zwei mobile Schwerlastkräne zum Einsatz; die Skulptur wird in einzelne Segmente zerlegt. Am 24. März kommt es daher rund um den Rotebühlplatz zu Verkehrseinschränkungen. Betroffen ist insbesondere die Abbiegespur auf der Fritz-Elsas-Straße in Richtung Rotebühlstraße.
Hinweis an die Medien
Zum Abbau am Dienstag, 24. März, 10 bis 10.30 Uhr, Stuttgart lädt die Landeshauptstadt Stuttgart zu einem Fototermin am Rotebühlplatz ein. Zusätzlich steht ein Archivfoto aus dem Stadtarchiv zur redaktionellen Nutzung (mit den erforderlichen Angaben) zur Verfügung.















































































































