
Über den Klima-Innovationsfonds der Landeshauptstadt Stuttgart sollen in den kommenden drei Jahren mehrere Vorhaben aus Wirtschaft, Forschung und Zivilgesellschaft gefördert werden. Der Gemeinderat hat am Freitag, 27. März, die neuen Projekte für Klimaschutz und Klimafolgenanpassung auf den Weg gebracht.
Der Stuttgarter Klima-Innovationsfonds unterstützt zielgerichtet und unbürokratisch Unternehmen und Hochschulen, die Innovationen für eine klimafreundliche Zukunft vorantreiben. Im Rahmen der Förderlinie „jetztklimachen!“ werden zudem vielversprechende zivilgesellschaftliche Projekte gefördert.
Projektleiter Niels Barth sagt: „Mit dem Stuttgarter Klima-Innovationsfonds bringen wir wirksame und skalierbare Klima-Innovationen von Unternehmen und Forschungseinrichtungen unbürokratisch auf die Straße. Wir fördern Investitionen in Zukunftslösungen in Stuttgart. Bei der Auswahl zählen vor allem das Klimaschutzpotenzial und die Skalierbarkeit der Innovation.“
Vier Projekte aus Wirtschaft und Forschung sollen bezuschusst werden
Vorbehaltlich der Haushaltsgenehmigung werden in der aktuellen Auswahlrunde vier Projekte aus Wirtschaft und Forschung mit Zuschüssen zwischen 100.000 und 500.000 Euro unterstützt:
- Die TRIQ GmbH errichtet in Stuttgart-Feuerbach das erste Mehrfamilienhaus Deutschlands, das vollständig aus rückgebautem und wiederverwertetem Holz gebaut wird. Das Material stammt aus dem Rückbau des benachbarten Robert-Bosch-Krankenhauses. Die sogenannten TriqBriq-Holzbausteine werden klebstofffrei verbaut und sind somit wiederverwendbar. Durch diese zirkuläre Bauweise werden Primärrohstoffe ersetzt, rund 100 Tonnen CO₂ eingespart und durch regionale Lieferketten die lokale Wertschöpfung gestärkt. Das Projekt dient als skalierbares Demonstrations- und Reallabor für zirkulären Holzbau und soll Akzeptanz, Wissen und Nachfrage für klimafreundliches Bauen fördern.
- Mit dem Projekt „AgriBoost“ entwickelt die Universität Hohenheim ein nachrüstbares Plug-on-Hybridmodul, das bestehende Traktoren und städtische Nutzfahrzeuge ohne Umbauten teilelektrifiziert. Das System wird einfach angekoppelt, liefert elektrische Antriebsleistung, versorgt Anbaugeräte und kann zugleich als mobiler Speicher für erneuerbare Energie genutzt werden. Im Projekt werden mehrere Geräte gemeinsam mit Partnern aus Praxis und Forschung in Stuttgart erprobt und für die Serienproduktion vorbereitet. Mit vergleichsweise geringen Investitionskosten und deutlich reduziertem Dieselverbrauch bietet die Lösung eine skalierbare Technologie für den europäischen Markt.
- Das Projekt „stuttgAIRt“ der WRS Energie + Druckluft GmbH demonstriert in zwei Stuttgarter Industrieunternehmen, wie durch den Einsatz KI-gestützter Analysesoftware der Energieverbrauch von Druckluftsystemen im laufenden Betrieb gesenkt werden kann. Die Technologie identifiziert Leckagen, ineffiziente Steuerungen und Überdimensionierungen und liefert konkrete Optimierungsvorschläge. Bereits während der Projektlaufzeit werden rund 120 Tonnen CO₂ eingespart. Gleichzeitig entstehen übertragbare Modelle für weitere Unternehmen, die sowohl die Wettbewerbsfähigkeit stärken als auch die Region Stuttgart als Vorreiter der intelligenten Dekarbonisierung positionieren.
- Die FÜNF PROZENT GmbH startet mit der Förderung Deutschlands größte Wärmepumpen-Sammelbestellung. Durch den gemeinschaftlichen, digital unterstützten Ansatz wird die Planung und Installation für Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer vereinfacht und beschleunigt. Eine zentrale Plattform bildet den gesamten Weg zur Wärmepumpe digital ab – von der ersten Eignungsprüfung über transparente Förder- und Kostenübersichten bis hin zur koordinierten Installation. Die Plattform wird beim Energieberatungszentrum Stuttgart (EBZ) angesiedelt, das auch die Qualitätssicherung übernimmt. In Stuttgart sollen so über 100 Wärmepumpen installiert und rund 150 Tonnen CO₂ eingespart werden. Der Ansatz wird anschließend verstetigt und bundesweit ausgerollt.
Neue „jetztklimachen!“-Förderung: Fünf Projekte aus der Zivilgesellschaft ausgezeichnet
Erstmals konnten sich im Herbst 2025 Stuttgarter Vereine und zivilgesellschaftliche Organisationen auf eine eigene Förderlinie bewerben. Insgesamt gingen 20 Anträge ein, fünf Projekte wurden für eine Förderung von jeweils bis zu 20.000 Euro ausgewählt.
Niels Barth sagt: „Gemeinschaftliches Dämmen in der Nachbarschaft, klimafreundliche Ernährung für Jugendliche oder Hitzeschutz im Sportverein – die ausgezeichneten Projekte zeigen, wie sich die Stadtgesellschaft für den Klimaschutz aktivieren lässt. „Ein Vorteil der Förderung ist der Vorschuss von 50 Prozent der Fördersumme. Anders als früher müssen die Initiatoren die Kosten nicht mehr vollständig vorfinanzieren. Die zweite Tranche wird ausgezahlt, wenn das Projekt erfolgreich verläuft und ein ambitionierter Meilenstein erreicht wurde.“
Gefördert werden sollen diese Projekte:
- „Dämm_it Stuttgart“ (Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg e. V.) unterstützt die energetische Sanierung von Wohngebäuden, indem Nachbarschaften für gemeinschaftliche Dämmprojekte zusammengebracht und fachlich begleitet werden. Der Do-it-yourself-Ansatz senkt Kosten, stärkt den Zusammenhalt im Quartier und baut Hürden für Sanierungen ab.
- Beim Projekt „Wärmepumpen-Buddys für Stuttgart“ des Energieberatungszentrums Stuttgart e. V. teilen private Wärmepumpen-Besitzende ihre Erfahrungen mit Interessierten aus der Nachbarschaft. Über eine Online-Plattform und gemeinsame Aktionen werden Kontakte vermittelt und Entscheidungen für klimafreundliche Heizsysteme erleichtert. In Kombination mit der Wärmepumpen-Sammelbestellung entsteht ein zusätzlicher Hebel für die Wärmewende in Stuttgart.
- Mit „KlimaCARE“ entwickelt die Sportvereinigung Feuerbach e. V. ihren Verein zu einem Lern- und Vorbildort für Klimaschutz und Klimaanpassung weiter. Neben der Reduktion von Emissionen werden konkrete Maßnahmen gegen Hitze, Trockenheit und Starkregen umgesetzt. Mit rund 6.500 Mitgliedern entfaltet das Projekt eine breite Wirkung.
- Das Projekt „Stuttgarter Friedhöfe im Wandel“ des NABU Stuttgart e. V. zeigt, wie Friedhöfe zu klimaresilienten Rückzugsräumen und grünen Lungen werden können. Maßnahmen wie Begrünung, Entsiegelung und die Schaffung schattiger Wege verbessern sowohl das Stadtklima als auch die Aufenthaltsqualität. Pilotstandort ist der Fangelsbachfriedhof.
- „Taste the Change“ ist ein Bildungsangebot der Stuttgarter Jugendhaus gGmbH. Es vermittelt Jugendlichen praxisnah den Zusammenhang zwischen Lebensmittelwertschätzung und Klimaschutz. Die Teilnehmenden lernen, Lebensmittel zu retten, klimafreundlich zu konsumieren und eigene Lösungen zu entwickeln – und tragen ihr Wissen in ihr Umfeld weiter.
Bewerbungen für den Klima-Innovationsfonds weiter möglich
Der Stuttgarter Klima-Innovationsfonds ist der größte kommunale Innovationsfonds für den Klimaschutz in Europa. Das Gesamtvolumen beträgt über 20 Millionen Euro.
Aktuell läuft die Bewerbungsrunde für Wirtschaft und Wissenschaft. Unternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen können sich noch bis zum 30. April 2026 in den Förderlinien I und II sowie für die „Stuttgart Challenge“ (innovative Lösungen für klimafreundliche Klärwerke) bewerben.
Weitere Informationen sowie das digitale Bewerbungstool und die Förderrichtlinien sind online abrufbar: https://jetztklimachen.stuttgart.de/klima-innovationsfonds














































































































