Bismarck(platz) im Fokus – Stadtgespräch über Namen, Orte und Erinnerung: Auftaktveranstaltung am 13. April

Straßen- und Platznamen sind mehr als Orientierungspunkte im öffentlichen Raum. Sie sind Ausdruck gesellschaftlicher Werte und legen offen, welche Personen und Ereignisse als erinnerungswürdig gelten und im öffentlichen Gedächtnis bleiben sollen und welche nicht.

Der Bismarckplatz ist ein zentraler und lebendiger Treffpunkt im Stuttgarter Westen – und zugleich Teil einer in vielen Städten geführten Debatte über den Umgang mit historischen Ehrungen: Wurde Otto von Bismarck lange als Reichsgründer und prägende politische Figur gewürdigt, wird sein Handeln heute deutlich kritischer betrachtet, nicht zuletzt mit Verweis auf seine Rolle in der deutschen Kolonialpolitik.

In Stuttgart wurden in den vergangenen Jahren bereits konkrete Vorschläge für eine Umbenennung des Bismarckplatzes eingebracht, insbesondere durch die Initiative „Ein Platz für Betty Rosenfeld“. Andere sprechen sich für eine bessere Einordnung der historischen Figur aus.

Die Koordinierungsstelle Erinnerungskultur des Stuttgarter Kulturamts setzt in den kommenden Monaten einen ergebnisoffenen Prozess um, der neben Impulsen aus Wissenschaft und Kunst vor allem auch Raum für unterschiedliche Argumente und das Entwickeln konkreter Ideen bieten soll.

Die Auftaktveranstaltung am Montag,13. April, bringt Perspektiven aus Geschichtswissenschaft, Erinnerungspolitik, Stadtforschung, Kunst und der lokalen Bevölkerung zusammen: Dr. Ulf Morgenstern von der Bismarck-Stiftung gibt einen Einblick in die Biografie des Politikers und die Entstehung des Bismarck-Mythos. Die Stadtforscherin Dr. Noa K. Ha beleuchtet die Debatte aus erinnerungskultureller und postkolonialer Sicht.

Künstlerische Impulse liefern Ann-Kathrin Müller und Judith Engel. Sie haben unter dem Titel „Eine Zierde unserer Stadt? Bismarck als Stein, Eiche, Haus, Büste, Platz“ eine „Inventour“ zu Bismarck-Orten in Stuttgart konzipiert, die als Teil des Gesamtprozesses im Juli und Oktober umgesetzt wird. Darüber hinaus werden Stimmen aus der unmittelbaren Nachbarschaft des Bismarckplatzes zu hören sein.

Workshops zur Erinnerungskultur

Neben der Auftaktveranstaltung der mehrmonatigen Reihe und dem Kunstprojekt von Ann-Kathrin Müller und Judith Engel sind mehrere Workshop-Formate geplant. Die Koordinierungsstelle Erinnerungskultur lädt alle Interessierten ein, den Prozess durch Fragen, Diskussionen und das Einbringen eigener Erfahrungen aktiv mitzugestalten. Das Ergebnis des Austauschs wird im Herbst öffentlich vorgestellt und dient als Grundlage für weitere Entscheidungen im Gemeinderat.

Die Veranstaltung kann kostenfrei besucht werden.

Quelle: Stadt Stuttgart