
Die Weinbauern der Region sind zunehmend dem Preisdruck durch globale Konkurrenz, abnehmenden Weinkonsum, den strengeren gesetzlichen Vorschriften, steigenden Energie- und Lohnkosten, dem Personalmangel, Klimawandel und der Problematik der Nachfolge ausgesetzt – Faktoren, die die Branche belasten.
Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper macht deutlich: „Stuttgart hat sich einst den Slogan ‚Großstadt zwischen Wald und Reben‘ auf die Fahne geschrieben. Wir wollen, dass dieser unverwechselbare Charakter unserer Stadt erhalten bleibt. Unsere Wengerter stehen aktuell vor großen Herausforderungen. Die Stadtverwaltung sucht nach Lösungen, um die Weinbaubetriebe in dieser schwierigen Situation zu unterstützen. Dabei geht es insbesondere darum, den Weinbaubetrieben den Weg für touristische Angebote und Veranstaltungen zu eröffnen.“
In Stuttgart gibt es 28 Weinbaubetriebe mit mehr als fünf Hektar sowie 296 kleinere und Kleinstbetriebe im Weinbau. Um den Herausforderungen zu begegnen, haben 36 Stuttgarter Weinbauern das „Stuttgarter.Wein.Kollektiv“ ins Leben gerufen. Die Winzer setzen sich dafür ein, die Zukunft der Branche aktiv mitzugestalten. Sie wollen auch weiterhin ihren Beitrag dazu leisten, dass Stuttgart für seine landschaftliche Einzigartigkeit und erstklassigen Weine bekannt bleibt.
Beim Runden Tisch Weinbau am 13. Januar im Stuttgarter Rathaus haben sich unter der Leitung von OB Nopper Vertreter des „Stuttgarter.Wein.Kollektivs“ sowie Verantwortliche der Stadtverwaltung getroffen. Unterstützt vom Weinbauverband Württemberg wurden die aktuelle Situation der Weinwirtschaft erörtert und mögliche Lösungsansätze für die Zukunft diskutiert.
Weinbau muss sich neu ausrichten
Im Weinbau findet aktuell ein Strukturbruch statt. Es ist damit zu rechnen, dass in den kommenden Jahren zirka 20 Prozent der Rebflächen aufgegeben werden. Rebflächen müssen geregelt gerodet und eine sinnvolle Flurneuordnung durchgeführt werden. Gleichzeitig ist es erforderlich, durch Erlebnisformate aktiv eine Nachfrage nach lokalen Weinen zu erzeugen. Dazu wünschen sich die Weinbauern mehr Veranstaltungs- und Ausschankmöglichkeiten in den Weinbergen.
Die Weinbauern fordern mehr Flexibilität in der Gesetzgebung, um zusätzliche Standbeine wie Gastronomie, Events und die Vermietung von Räumlichkeiten zu entwickeln. Nur so kann die Wirtschaftlichkeit der Betriebe gesichert und die Zukunft des Weinbaus in Stuttgart gewährleistet werden.
Stefanie Schwarz, Vorsitzende des „Stuttgarter.Wein.Kollektiv.“, sagt: „Die geltende Rechtslage geht an den heutigen Bedarfen der Betriebe vorbei und steht der notwendigen Diversifizierung oftmals im Wege. Stuttgarts einzigartige Landschaftskulisse, die Weinkultur und unsere Betriebe zu erhalten, dafür setzen wir uns ein und sind dankbar, um das konstruktive Miteinander mit der Stadtverwaltung.“
Die Themen des Runden Tischs waren komplex, da auch Bundes- und Landesrecht sowie das Baugesetzbuch und das Landesgaststättenrecht eine entscheidende Rolle spielen. Die Stadt Stuttgart hat bereits Maßnahmen ergriffen, um die Situation der Weinbauern zu verbessern, indem beispielsweise die Pachtpreise für die städtischen Rebflächen deutlich reduziert wurden.








